Motor vorne - keinesfalls „old fashion“

12.05.2020

Einen Gesamtsieger in einem GT-Rennwagen bei dem der Motor vor dem Fahrer eingebaut war, den gab es in den Rennen der P9-Challenge 2019 nur in Hockenheim zu feiern. Und das bei beiden Sprints der Serie. Im Interview fügte GT-Routinier Jürgen Bender hinzu. „Am Lausitzring sah es für mich von den Rundenzeiten betrachtet ebenfalls sehr gut aus, aber die Einsatztechnik geriet dann aus dem Takt“, so der Callaway-Corvette-Pilot aus Neckarsulm. „Und das war's dann. Meine möglichen Gesamtsiege waren beim Teufel“. Nicht zu vergessen auch die Jungs von Team Zebra racing. Markus Alber und Jack Crow hatten den direkten Vergleich von Heckmotor (Porsche) zum Frontmotor (Callaway-Corvette) im Team.

Auf der Grand Prix Strecke in Hockenheim hätte es durchaus einen Kampf der verschiedenen „langen Motorhaube“ geben können. Denn auch die Equipe-Vitesse aus Ingelheim hatte dort für Mario Hirsch einen AMG-GT3 genannt. Schnell war der Routinier aus Bayer sofort - volles Rohr aus dem Stand. „Ich kenne die Varianten von Hockenheim alle bestens“, so der Mercedes-Händler. Am Ende verhinderte ein Schaden den P9-Einsatz auf dem Grand Prix Kurs.
Blenden wir zurück. Der Doppelerfolg 2018 von Jürgen Bender bei Finale am Ring und der 2 Jahre zurück liegende Sieg der Schweizers Philipp Zumstein im „Königlichen Park“ von Monza im Rahmen der P9-Endurance zeigten deutlich, das die als klassisch beschrieben Bauweise mit Frontmotormobilen für Gesamtsiege und Titelkämpfe keinesfalls zu unterschätzen sind. Diesbezüglich dürfen die Fans auf den nun leider verspäteten Saisonstart 2020 aber gespannt sein. Neben Starts der neuen C7-Corvette für Jürgen Bender mit Team Sportwagenschmiede darf auch mit AMG-SLS-Startern gerechnet werden. Zusätzlich wird man das Team Medilike aus Österreich mit den auf- strebenden Fischer-Brüdern am Start sehen. Senkrechtstarter Markus Fischer, ein Frontmann der GT4-Master in Deutschland, war auf seinem GT3-BMW 2029 bereits dicht am Monza-Gesamtsieg dran. Das wäre in der P9 dort der Auftaktsieg für einen BMW mit Frontmotor geworden. In Monza verhinderte wohl nur der vom Veranstalter geänderte Rennablauf den BMW-Erfolg in der P9.
GT-Einsätze von Aston Martin dürften in der P9 wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Weitere Frontmotorboliden hierzulande müssten durchaus nicht in der Halle stehen bleiben. Ein Auto das siegen kann gehört nicht in eine Halle unter die Plane. Selber erinnere ich mich gut an einen leistungsstarken 6L Ferrari V12. Aus München, so meine ich mich zumindest zu erinnern, kam das Ferrari-Team. ein Ferrari würde am Red Bull Ring in der P9 für mächtig Qualm sorgen können.
Doch schauen wir weiter nach vorne unter die Motorhaube der P9-Starter. Die kleineren Hubräume der Rennmodelle aus der Klasse 8 lieferten sich 2019 untereinander beachtliche Scharmützel. In den kleineren Klassen, dort wo der Motor vor der Vorderachse montiert ist, muss der Pilot in aller Regel mit 200 bis 300 PS weniger an der Achse aus kommen. Aber mit entsprechenden Reifenbreiten, ausgewogen abgestimmter Gewichtsverteilung und dem richtigen Griff in die Kiste der Federn und Stabilisatoren klappt es dann meist doch perfekt. Mit clever gewählten Dämpfereinstellungen sowie der richtigen Wagenhöhe über die Gewindefahrwerke eingestellt, helfen die Renningenieure ihren Fahrer Top-Rundenzeiten in den Asphalt zu radieren. Sehr zur Freude der Piloten. Ulrich Schmidt und Daniel Hasselt werden das sicher gerne bestätigen. Beide ließen die WSRacing Golf GTI (Foto) Ihrer engagierten Crew aus dem Saarland 2019 mehr als ordentlich fliegen. „Die Jungs schenkten sich echt nichts“, so Jürgen Bender nach einer Begegnung beim Überrunden mit dem WSR-Giti-Duo in Hockenheim. HTS

Foto: Autosport.at, Michael Perey - Bender mit Schmidt u. Hasselt im Visier